Ost-Film
Startseite
Was ist Ostfilm?
Die Filme
Die Stars
Die Technik
 
Shop
 
Kontakt
Gästebuch
Links
Impressum


Die Technik
DDR-Projektoren

Die in Osteuropa eingesetzten Filmprojektoren stammten zumeist entweder aus der Ernemann- oder Bauer-Produktion oder aus der DDR (Pentacon Dresden), der CSSR (Meopta) sowie aus der Sowjetunion. In der DDR waren anfangs noch zahlreiche Vorkriegs-"Ernemänner" im Einsatz, vor allem die E VI und natürlich die E VII, die auch nach dem Krieg zunächst noch weiter produziert wurde.


Ernemann VII B

In manchen Kinos fanden sich auch noch ältere Ernemann-Projektoren oder solche von Bauer bzw. gelegentlich anderen Herstellern.

Um auch der Landbevölkerung den Kinobesuch im heimischem Dorfsaal zu ermöglichen entwickelte man im damaligen (Noch-)"Zeiss Ikon" eine transportable Doppel-Kofferanlage, die legendäre und unverwüstliche TK-35.

Kofferanlage TK-35
TK-35 Bedienungsanleitung
Abbildung aus der Bedienungsanleitung
 
TK35-Projektorkopf Filmseite
geöffneter Projektorkopf ,
Filmlaufseite
TK35-Projektorkopf Getriebeseite
geöffneter Projektorkopf ,
Getriebe- / Lampenhausseite
 
TK35-Doppelanlage
komplette Doppel-Anlage mit dem dazugehörigen Zubehör

Eine komplette Doppel-Anlage besteht aus den beiden hölzernen Stativen, den beiden Projektorköpfen mit den Lampenhäusern und jeweils zwei sog. Feuerschutz-Kassetten, je einem Schaltgerät, einem Röhren-Verstärker mit Gegentakt-Endstufe und einem Lautsprecher. Hinzu kommen noch diverse Verbindungs- und Anschlusskabel, der Hand-Umroller, diverse Leers- bzw. Steckspulen und später - mit Einführung des Totalvision-Bildformates (Cinemascope) - ein Paar sog. Rectimaskope mit den dazu gehörigen Halterungen. Damit bei auftretenden Filmrissen der Filmvorführer nicht auf dem Schlauch stand, wurde auch immer eine Filmklebepresse, eine Schere und eine Flasche Filmkitt mitgeführt. Ja, und natürlich eine Leinwand mit oder ohne Leinwand-Gestell. Es gab auch spezielle Filmschränke für den Landfilm, zu meiner Zeit wurden diese aber nicht mehr mitgeschleppt.
Die TK-35 wurde in mehreren Serien bis 1959 produziert, blieb dabei aber in ihrer Grundform und Konzeption stets unverändert. Änderungen betrafen nur Details bzw. Bauteile / -gruppen.
Das Geniale an der TK-35 ist, dass sie ohne jegliches Werkzeug aufgebaut werden kann, und das auch nur von einem einzigen Menschen. (Es gab sogar Frauen, die es schafften, die Anlage trotz ihrer relativ schweren Projektorköpfe ganz allein aufzubauen!)
Im Laufe der Jahre mussten viele TK´s Umbauten über sich ergehen lassen. So verschwanden nach Einführung des schwer entflammbaren Sicherheits-Fimmaterials nach und nach bei zahlreichen TK´s die Protektorschalter. Die Protektorschalter schalteten im Falle eines Filmrisses mit nachfolgendem Filmstau im Projektorkopf die Maschine ab.
Mit Entwicklung der Halbleitertechnik wurden oft auch nach und nach die ursprünglichen Fotozellen für die Tonabtastung durch Fotodioden ersetzt. Die herkömmlichen Glühfaden-Projektionslampen wurden teilweise durch Halogenlampen ersetzt, was zwar nicht unbedingt mehr Licht erbrachte, aber die Halogener hielten einfach länger durch. Alle diese Umbauten erfolgten in den Werkstätten der Bezirksfilmdirektionen (BFD) bzw. der Kreisfilmstellen (KFS).
Da - abgesehen mal von den sowjetischen KN-Maschinen - nach der TK keine neuen transportablen Anlagen mehr produziert wurden (weder in der DDR noch in anderen osteuropäischen Ländern), mussten die TK´s quasi bis zum Ende durchhalten. Die robusten und zuverlässigen Maschinen hatten damit auch nur selten Probleme, schwierig wurde es eigentlich nur; wenn das Malteserkreuz-Getriebe einer TK den Geist aufgab. Um den Transportaufwand zu verringern, erfolgten in den Werkstätten der BFD bzw. der KFS weitere Umbauten. So kam irgendwann in den 80er ein schlauer Kinotechniker auf den Gedanken, die Feuerschutzkassetten einzusparen und stattdessen Spulenarme für die Voll- bzw. Leerspulen zu verwenden. Inzwischen gibt es sogar Spulenarme für 1800 m-Spulen!
Von der volkseigenen Industrie kam Ende der 70er / Anfang der 80er ein Transistor-Verstärker (Typ P12K) und neue kompakte Lautsprecher-Boxen. Der P12K war sogar mit einem elektronischen Gong ausgestattet, der aber  (wohl ob seines "tollen" Klanges) kaum benutzt wurde. Neue Lautsprecher-Boxen wurden teilweise aber auch in den BFD / KFS gebaut.
Was viele nicht wissen: Es gab für die TK-35 Anfang der 60er Jahre bereits Pläne für eine Weiterentwicklung, die jedoch aufgrund des RGW-Beschlusses nicht mehr realisiert wurden.

Das Dresdener Zeiss Ikon-Werk musste bald nach dem Krieg seinen Firmennamen ändern - es firmierte von da unter der bekannten Marke Pentacon. Um von Ernemann unabhängig zu werden sowie um neu erbaute Kinos nicht mit Projektoren aus dem Westen ausrüsten zu müssen, wurde im nunmehrigen VEB Pentacon Dresden ein eigener Filmprojektor entwickelt und gebaut - die Epoche der Dresdener D-Maschinen brach an.
Als erstes entstand so um 1951 herum die Dresden D1; damals noch für den zu der Zeit vorherrschenden Betrieb mit Kohlebogenlampen. Auch die Nachfolge-Modelle Dresden D2 und Dresden D21 waren für diese Beleuchtungsart konzipiert. Während sich die D2 äußerlich kaum von der D1 unterschied (es sei denn, sie wurde später mit dem rundlichen Lampenhaus ausgerüstet), sah man der D21 die Weiterentwicklung auf dem ersten Blick an. Das rundliche (und größere) Lampenhaus für höhere Lichtleistungen war Standard bei diesem Projektortyp.

Dresden D1 Bedienseite
Dresden D1, Bedienseite

D1 geöffnete Rückseite Elektrik
geöffnete Rückseite der Dresden D1 mit Blick auf die Elektrik der Maschine

Wie auch die TK´s, mussten auch die Dresdener D-Maschinen sich im Laufe der Jahre Umbauten gefallen lassen. Spätestens ab den 80er Jahren ging man verstärkt dazu über die nicht ganz ungefährlichen (vor allem aber sehr heißen) Kohlebogenlampen durch Halogenlampen bzw. Xenon-Brenner zu ersetzen. Bei den zahlreichen kleineren Kinos gab es damit aber von da an Lichtprobleme: Der Einsatz der teuren Xenon-Brenner war dort nicht effektiv, die zur Verfügung stehenden Halogenlampen erbrachten jedoch maximal 400 W Lichtleistung, was sehr oft reichlich knapp war. Bei dunklen Filmszenen hatte man manchmal daher eher das Gefühl in einem Schattentheater zu sitzen. Allerdings brachte der geringe Platzbedarf der Halogenlampen auch den Vorteil, dass man auf das Lampenhaus völlig verzichten konnte, da die Halogenlampen samt Kondensor und Spiegel direkt in den Projektorköpfen untergebracht werden konnte.


D-Maschinen Projektorkopf
Blick in den geöffneten Projektorkopf der Dresden D1 / D2

Werbeprospekt für Dresden D1
Werbeprospekt von Pentacon für die Dresden D1
(Ursprungsausführung)

D1 mit rundlichem D21-Lampenhaus
eine D1 mit dem rundlichen Lampenhaus der D21

Letzte Neuentwicklung der DDR war ab 1961 ein Universalprojektor, mit dem man - ohne Umrüstung! - sowohl Filme im 35 mm-Normalformat als auch im 70 mm-Breitfilmformat abspielen konnte - die Pyrcon UP-700. Diese Projektoren waren jedoch nur in ausgewählten Filmtheatern zu finden (z.B. in Halle / Saale das "Urania 70", die Merseburger "Völkerfreundschaft", das Berliner "International" und "Kosmos", das Rundkino in der Dresdener Prager Straße). Anfangs waren diese Projektoren noch für Kohlebogenlampen vorgesehen, wurden aber schon bald auf Xenon-Licht umgerüstet.

Pyrcon UP-700
Universal-Projektor Pyrcon UP-700

Die alten Röhren-Verstärker wurden ab den 70er Jahren in vielen Kinos durch den Transistor-Verstärker vom Typ Präciton P22 ersetzt. Auch dieser war mit einem elektronischem Gong ausgestattet, allerdings mit demselben schauerlichen Klangbild wie der des P12K.

weitere Entwicklung der Kinotechnik

nach oben